Ein Gastbeitrag von Nik Geilder vom AK Regiowasser, der auch kurz referiert hat.

An der Vortrags- und Diskussionsveranstaltung hatten in der Mehrzweckhalle im Freiburger Stadtteil Günterstal etwa 50 interessierte Menschen teilgenommen.

Nikolaus Geiler vom Freiburger regioWASSER-Verein setzte mich eingangs der Veranstaltung kurz mit den Vorwürfen auseinander, dass die Windenergienutzung zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Wasserhaushaltes – auch im Einzugsgebiet des Bohrerbaches – führen würde. Diesen Vorbehalten setzte der Limnologe (Binnengewässerkundler) folgende Relationen gegenüber:

Das Einzugsgebiet des Bohrerbaches umfasst bis zum Hochwasserrückhaltebecken rund 14 Quadratkilometer.
10 Windkraftanlagen würden eine Kahlschlagfläche von schlimmstenfalls 10 x 1 ha zur Folge haben. 10 ha = 0,1 qkm.
Im Worst Case wären das ca. 0,8 % der Einzugsgebietsfläche.

Das Fazit des Referenten: Die Folgen für die Niedrigwasserführung im Bohrerbach würden im „Grundrauschen“ der Ungenauigkeit der Pegelaufzeichnungen untergehen. Die Folgen des Klimawandels (Waldsterben, Humusverzehr infolge steigender Temperaturen, Wetterextreme, Schädlinge usw.) auf den Wald, den Abfluss und die Grundwasserneubildung sowie auf die Quellschüttungen hätten ungleich dramatischer Auswirkungen auf den Wasserhaushalt im Bohrereinzugsgebiet.

[Nachtrag: Soweit es eine Aufsteilung von Hochwasserwellen durch einen schnelleren Abfluss von den „Waldautobahnen“ und den Aufstellflächen betrifft, muss man über abmildernde Gegenmaßnahmen nachdenken. Das betrifft allerdings ALLE (!) Waldwege und Straßen sowie weitere abflusswirksame Flächen im Einzugsgebiet des Bohrerbaches. Die Forstliche Versuchsanstalt ist potenziell an der Sache dran.]

Zugleich drückte der Referent „als Mensch mit einem ganz schlechten Schlaf“ sein Mitgefühl für die Menschen aus, die sich unter dem Einfluss von benachbarten Windenergieanlagen in Hinblick auf Schlaf und Gesundheit schwer beeinträchtigt sehen – und forderte: Da müssen Lösungen gefunden werden! U.a. könnte man darüber nachdenken, dass Windenergieanlagen nicht nur zu Gunsten von Fledermäusen zeitweise abgestellt werden, sondern dass bei entsprechenden Windlagen die Windkraftwerke auch zugunsten schallsensibler AnwohnerInnen zur Ruhe kommen sollten.

Sebastian Müller referierte sodann kurz an Stelle des verhinderten Gastes aus der Ukraine über die Energieversorgung in der Ukraine: Die Luftangriffe Russlands auf Transformatoren und Kraftwerke würden u.a. dazu führen, dass Kliniken und Kraftwerke beeinträchtigt oder lahmgelegt und die stromabhängige Wasserver- und Abwasserentsorgung massiv gestört würden. Man versuche sich mit Dieselgeneratoren über die Runden zu retten – wobei Notstromgeneratoren nur von den Menschen betrieben werden könnten, die eher zu den wohlhabenden BürgerInnen in der Ukraine gehören würden. Müller und Kollegen würden versuchen, energetische Hilfeleistung in der Ukraine zu leisten – beispielsweise auch über Balkonsolaranlagen.

Die Historie der fossil basierten Gewalt

Dr. Blume als Hauptreferent ging zunächst kurz auf den 9/11 ein und erwähnte auch den 7. Okt. – ziemlich genau 50 Jahre nach dem Jom-Kippur-Krieg und dem dann folgenden „Ölpreisschock“. Der Referent ging dann zu großen Vorbildern in der Weimarer Republik über und erinnerte an die antifaschistische Vorbildfunktion von Reichskanzler Josef Wirth mit seinen Freiburger Wurzeln, um sich sodann dem Thema „Friedensenergien“ zu widmen. Er sei CDU-Mitglied und kein Pazifist und sehe gerade deshalb mit Sorge die deutsche Zusammenarbeit mit dikaktorischen Staaten. Er sei führend dabei gewesen, die Jesiden aus dem Irak nach Baden-Württemberg zu evakuieren. Und im Irak habe er erlebt, was (energie-)politisch schief läuft und wie wertvoll Wasser in einem Land sei, in dem das Thermometer bis auf 50 Grad steigen würde.

Wesentlich für den notwendigen Fortschritt bei der Energiewende sei der Paradigmenwechsel, ein Umkippen der Erkenntnis – auch beim Übergang von den fossilen Energien zu den „Friedensenergien“. Gemeint war die Förderung von Kohle und Erdöl mit Beginn der Industrialisierung unter dem preußischen Motto „Eisen & Blut“ – gefolgt von Militarismus und Gewalt. Dann sei Erdöl gekommen mit einer ganz neuen Qualität, was die Gewalt und Brutalität der fossil basierten Kriege noch mal gesteigert habe. Blume schilderte in seinem historischen Abriss die deutschen Erdöl-Ambitionen – vom Bau der Bagdad-Bahn bis zum Vormarsch der Reichswehr an den Kaukasus und die dortigen Erdölfelder. Der Referent erinnerte auch an das KZ-Projekt „Wüste“, bei dem schrecklich viele KZ-Insassen beim Abbau von Ölschiefer auf der Schwäbischen Alb ihr Leben für ein paar Tausend Tonnen Öl verloren hätten.

In seiner historischen Chronologie der Energiepolitik ging Blume sodann auf den deutschen Erdölbezug aus Saudi-Arabien und aus Katar ein – beides Staaten, wo diktatorische Regime herrschen würden, die zudem weltweit Terrorgruppen fördern würden. Die angestrebte Diversifizierung im Erdölbezug habe nur dazu geführt, dass zusätzlich Öl und Gas aus der Sowjetunion bzw. aus Russland bezogen würden. Der deutsche Hunger nach fossilen Energien sei ein wesentlicher Beitrag zur Finanzierung von Hamas und von Putin.

Blume postulierte: „Wir brauchen einen Paradigmenwechsel: Keine weitere Zusammenarbeit mit erdölbasierten Regimes!“ Die fossilen Energien hätten zudem einen „Ressourcenfluch“ zur Folge, was man u.a. in den Niederlanden hätte beobachten können. Statt Wohlstand durch die Erdgasförderung hätte es dort wirtschaftliche Verwerfungen gegeben. In den USA sei zu beobachten, dass das dortige „Petrodollarsystem“ zu einer Deindustrialisierung beigetragen habe.

In seinem Schlusswort betonte Blume noch einmal:

„Solange wir Öl kaufen, werden fossilbasierte Regimes und Terrorgruppen genügend Geld für ihren Wahnsinn zur Verfügung haben. Wir finanzieren unsere Feinde!“

Jetzt hätten wir noch die Chance, aus diesem System und den fossilen Strukturen auszusteigen. [Großer Schlussapplaus].

Das Skript zu dem frei vorgetragenen Referat von Blume gibt es zum Abruf im Blog von Sebastian Müller unter